Als ich mich auf diese Reise begab, konnte ich mir nicht ausmalen, wie seltsam sie werden würde.Nicht beschwerlich, nicht leicht, sondern vielfältig. Nicht geradlinig sondern kurvenreich.
Ich war überfordert, ohne dass mir das im ersten Moment klar war. Gerne hätte ich eine Liste gehabt, ein How to EoE oder ein EoE for Dummies.
Wie ein Dummie habe ich mich oft genug gefühlt, meine besten Fails dokumentiere ich selbstverständlich hier.
Ich hätte gern gewusst, dass die eigentlichen Stolpersteine gar nicht die offensichtlichen sind. Nicht das Brot. Sondern die Fassbrause. Die Hafermilch. Der Schafskäse. Diese tausend kleinen Dinge, über die man vorher nie nachgedacht hat.
Was mich bis heute erstaunt: Der Teil, den ich anfangs für unvorstellbar hielt, ist heute der einfachste geworden.
Wohingegen ich anfangs noch geweint habe, weil ich mir ein Leben ohne Pasta nicht vorstellen konnte, hat sich mir eine neue Welt eröffnet. Nicht weil ich dazu gezwungen bin, sondern aus Neugier teste ich viel mehr aus. Gehe in Supermärkte, die ich nicht besucht hätte um Zutaten zu finden, über die ich nie nachgedacht hätte.
Es ist Weinger das Essen, das fehlt. Es ist mehr die Leichtigkeit.

Nicht überlegen zu müssen, nicht zu planen, nicht Etiketten, nicht die Speisekarten der Restaurants schon auf dem Hinweg zu studieren. Essen war früher einfach nur eine schöne Freizeitangelegenheit. Heute ist es Organisationsaufwand.
Auch, dass man eine Überforderung nicht mit noch mehr Überforderung lösen kann.
Anstelle langsam zu machen, einfach zu starten bin ich Vollgas drauf los. Ich wollte nicht neu lernen sondern alte Gewohnheit beibehalten und einfach die Zutaten austauschen.
Meal Prep. Zig Tiegel und Töpfchen. Saaten. Samen. Überfüllte Schränke. Und wofür?
„Oh. Das ist ja über dem Ablaufdatum.“
Meal Prep halte ich nach wie vor für etwas tolles. Vor allem wenn ich verreise oder so. Aber ich verfolge es nicht mehr mit einem verbissenen Perfektionismus. Es reicht auch mal der Shake für zwischendurch oder das Brötchen mit Aufschnitt.
Wer sich mit chronischen Krankheiten befasst sieht auch, wie wenig sich andere damit befassen können. Im Nachhinein tut mir das für all die Menschen leid, denen ich früher begegnet bin und deren Unverträglichkeiten ich vermutlich unterschätzt habe. Ich glaube auch das ist ein Grund dafür, dass chronisch Kranke, vor allem bei Lebensmittelunverträglichkeiten ein Vertrauensproblem haben.
Es gab ein Leben davor, an das man sich noch gut erinnert und man weiß wie viel man lernen musste.
Nicht von einer Liste, sondern auf die Harte Tour. Ich habe mir ein stück Leichtigkeit zurück ergattert. Auch dank diesem Blog, ich wünsche mir aber, dass ich wieder zurück zu meiner Freunde am Backen finde, vor allem um die Weihnachtszeit. Das mir dieser dumme Waffelteig endlich geling und ich nicht wieder die klebrigen Überreste aus meinem Waffeleisen kratzen muss und die knusprigen Überreste, die nicht verbrannt sind esse weil ich zu stolz bin die wegzukippen. Und das ich keine Tobsuchtsanfälle mehr bekomme, wenn mir wieder einmal der Buchweizen anbrennt, obwohl ich ihn nach Packungsbeilage gemacht habe und ich mich dann erstmal sauer ins Bett legen muss weil ich mich selbst nicht mehr mag, wenn ich den Topf samt Inhalt in die spüle pfeffere.
Ich habe viel gelernt. Nicht alles auf einmal. Nicht ohne Frust. Nicht ohne verklebte Waffeln und angebrannten Buchweizenporridge. Ich lerne noch immer.
Und vielleicht ist genau das, das was ich am Tag der Diagnose wirklich gerne gewusst hätte. Du darfst Anfängerin sein!


