Die ersten Tage nach meiner Diagnose waren überfordernd.
Wenn ich ehrlich bin, habe ich nur oberflächlich gegoogelt und nach weiteren Informationen gesucht. Ich glaube, das war ein Mechanismus, um die Kontrolle zu behalten. Dabei hatte die EoE das Steuer längst aus meiner Hand genommen.
Anstatt mich wirklich mit der Krankheit auseinanderzusetzen, begann ich, das zu priorisieren, worüber ich vermeintlich noch Kontrolle hatte: das Essen.
So entstand ein aberwitziger Einkauf – gefolgt von einem für mich inzwischen ikonischen Abendessen.
Nicht das schlechteste, das ich jemals gegessen habe.
Aber mit Abstand das weirdeste.
Für den Einkauf hatte ich mir eine Liste geschrieben. Eigentlich nichts Ungewöhnliches. Außer, dass darauf keine Zutaten für Rezepte standen, sondern einzelne Lebensmittel, die ich durch meine Recherche für „sicher“ eingestuft hatte.
In den Einkaufswagen wanderten diverse Schär- und Alnavit-Produkte, Körner, Fisch, Gemüse, Dinkelnudeln, Hafermilch, Ziegenfrischkäse und Hummus.
Heute schaue ich auf diesen Einkauf zurück und muss schmunzeln. Nicht nur darüber, wie wenig ich damals wusste, sondern auch darüber, wie viele Fragezeichen ich eigentlich mit mir herumgetragen habe.
Zu Hause angekommen, stand ich vor der nächsten Herausforderung: alles zu verstauen.
So viel Zeug.
Und so ein teurer Einkauf.
Es fühlte sich ein bisschen an wie der erste Umzug in die eigene Wohnung. Man steht vor dem Putzmittelregal und denkt: „Ah ja, das hatte meine Mama auch immer.“ Aber wofür eigentlich? Und brauche ich das wirklich?
Wir hatten beschlossen, dass mein Mann unsere bisherigen Lebensmittel erst einmal aufbraucht.
Also ging es an das Abendessen.
Andreas machte sich etwas für seine Brotzeit.
Und ich?
Ich stand vor dem Kühlschrank wie vor einem vollen Kleiderschrank und dachte: „Was esse ich jetzt?“
Ach, hier sind noch gekochte Kartoffeln.
Die nehme ich.
Oh, ich habe Makrele gekauft. Da stand irgendwas von guten Fetten.
Also auch auf den Teller.
Was noch?
Karotten. Ich liebe Karotten.
Perfekt.
Mit meinem Teller und dem obligatorischen Glas Wasser setzte ich mich an den Tisch.
Andreas und ich schauten uns an.
Und fingen an zu lachen.
Über mich.
Über diesen traurigen Teller.
Nicht zusammengestellt. Nicht durchdacht. Einfach einzelne Lebensmittel, die zusammen ein funktionales Essen ergaben – aber keinen Genuss.
An diesem Abend habe ich mir etwas versprochen:
Ich möchte lernen, mit meiner Krankheit zu leben.

Aber ich möchte nie aufhören, Essen zu genießen.